Let´s dance.

Ich dachte immer ich habe recht viel zu sagen. Derzeit beende ich mein zweites Studium (erst Kunstgeschichte, dann Soziale Arbeit…ja, hier kann Frau sich schon sehr ausgiebig durchlabern), erwarte mein erstes Kind (auch viel Redestoff, wenn ich mir andere Blogs so ankucke…gähn), bin mit meiner großen Liebe zusammen (…), wohne irgendwie zufällig und unfreiwillig in der Münchner Yuppiegegend Schwabing (wo ich einfach für meine geistige Gesundheit ab und zu werde lästern MÜSSEN…Sozialhygiene nennt man das) …und trotzdem bleiben mir in letzter Zeit auch oft die Worte im Halse stecken. Meine Mutter sagte einmal: du hast da ein Dilemma der Familie geerbt, viele Talente, aber leider keines so richtig ausgeprägt. Na danke, und nu?

Aber leider hat sie auch irgendwo Recht: in meinem Kopf zanken sich seit langem Fantasiewortgestalten und Textlandschaften mit dem ständigen Fazit á la „darüber würde ich gerne schreiben“. Schon bei der Auswahl der Topics für diesen Blog war ich total überfordert: wie können die ernsthaft verlangen, dass ich mich da entscheide? Ich mag politische Diskussionen, Kunst, gutes Essen und ja auch den Wein und den Gin, Literatur, Fotografie, Reisen, Sprachen….blablabla…und zugegeben, ich mag es bisweilen auch bei Themen mitzureden von denen ich überhaupt keine Ahnung habe. Ich finde Smoothies lecker, aber ich kann doch nicht eine ganze Website damit füllen oder gar eine neue Philosophie aus dem nächsten ChiaSamenSuperFoodwieverheimlicheichdassichmagersüchtigbin-Blog gründen. Ich mag auch nicht ständig darüber schreiben wie happy ich bin oder wie scheiße ich das Leben finde. Meistens wechselt sich das doch in gesunder Weise ab….entweder will das Finanzamt das du nachzahlst oder du bekommst etwas zurück und die Sonne scheint.

Ich weiß nur sehr sicher, dass es mir beim Schreiben gut geht. Und ich es wichtig finde manche Dinge nicht ungesagt oder ungeschrieben zu lassen.

Schon lange suche ich eine Möglichkeit Texte über alles, das mich bewegt, zu schreiben. Und das ist leider echt vieles…daher hat mich auch immer schnell der Mut verlassen…ich wollte DIE perfekte Idee und DAS perfekte Thema, das dann schließlich auch meine Genialität sofort unterstreicht und ich ganz schnell viel Lob und Beifall bekomme (wer wünscht sich das nicht?).

Tatsache ist, ich bin eigentlich ziemlich gewöhnlich. Irgendwo habe ich einmal gelesen: „Der/die typische Großstadtmensch ist um die dreißig, Single, selbstständig, macht Yoga und geht zwei Mal die Woche in die Psychoanalyse“…bis auf das Single-Dassein und die Therapie (die habe ich hinter mir) trifft alles auf mich zu. Als ich das damals gelesen habe, wusste ich nicht ob ich heulen (da war ich noch in Therapie UND Single) oder lachen sollte.  Dennoch wage ich mich jetzt aufs Tanzparkett. Die Themen werden sich schon finden und ich freue mich darauf. Obwohl schon wieder eine leise Stimme in mir flüstert: und das, obwohl du nicht einmal die Kommaregeln kannst.

 

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4 Gedanken zu “Let´s dance.

  1. wer braucht Kommaregeln und Fragezeichen und Rufzeichen? Das Leben spielt sich wo anderes ab… als in der Form. Form ergibt sich durchs tun … Im Bildhauern beginnt man einer Linie zu folgen und tausend Formen ergeben sich….

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    1. Ja vermeintlich ist es wohl so. Die „Sache“ mit der Perfektion hat mich bisweilen fast wahnsinnig gemacht. Inzwischen traue ich mich aber immer öfter diesen enormen Druck aus mir selbst auf mich selbst abzuschwächen und eben bewusst nicht perfekt sein zu müssen. Man/frau verbaut sich dadurch auch so vieles…warum nicht einfach Dinge ausprobieren? Höchstwahrscheinlich sieht eh niemand hin (oder es interessiert niemanden) wenn es schief geht :D. Die Forderung, dass ein Talent auch gleichzeitig etwas Produktives oder sei es auch nur ein „Ergebnis“ hervorbringen müsse…das erstickt doch viele Ideen schon wieder im Keim. Ich möchte davon weg!

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