Gaga-Genusstag oder der schielende Löwe

1. Definition von „Gaga“: leichtes bis mittelwildes Wirrwarr in meinem Kopf und/oder zu viele verschiedene Gedanken stapeln sich so lange übereinander bis ich mich wie unser schielender Löwe fühle (siehe unten.); durchaus zu vergleichen mit Clarence aus Daktari; leider hat es mich dann heute auch erst einmal der Länge nach hingehauen…irgendwie war ich nicht bei meinen Füßen, sondern eben irgendwo anders. Das Gagatum ist lediglich mit intensiven Genusserlebnissen, vorzugsweise Essen, zu kompensieren. Und darum gehts jetzt auch:

2. Erinnerungs-Essen: bei meinem Frühstück heute hatte ich den Gedanken, dass Essen für mich sehr viel mit Erinnerungen und auch mit einer gewissen Melancholie zu tun hat. Eine bestimmte Zutat oder auch ein ganzes Gericht evozieren Bilder, Geschichten oder die Verbindung mit bestimmten Personen und Situationen. Das ist eigentlich wunderschön und wäre vielleicht einmal die Idee für ein ganz besonderes Kochbuch.

Ein Beispiel: ich liebe Weetabix! Eigentlich nur ein zusammengpresstes Vollkornweizending, nicht einmal die Form ist besonders appetitlich, aber ich habe es das erste Mal als Kind in London gegessen. Ich habe meinen Vater dort besucht, alles war neu und aufregend und besonders spannend fand ich eben dieses komische Frühstück, dass sich einfach so in Milch auflöst und in einen wunderbaren Schleim auflöst. Ich hätte Stunden lang zukucken können. Vieles bei diesen zwei Aufenthalten in England war auch komisch, mein kleiner Halbbruder war dort so zu Hause, ich nicht, sondern eben nur auf Besuch. Ich habe die Sprache nicht verstanden und dann sind dort alle auch noch verkehrt herum gefahren. Es war ein Abenteuer und bei Weetabix muss ich immer an meinen Vater und an mich als Siebenjährige in dieser riesigen, grauen Stadt denken.

Noch ein Beispiel: Johannisbeeren und Himbeeren verbinde ich mit meiner Oma und ihrem damaligen Garten. Mitten in den wuchernden Büschen stehen, Beeren auf Würmer checken, dann mampfen und der Rest wird Marmelade – aber nicht zu süß. Ich habe nie mehr eine so wunderbar saure Himbeer-Rhababer-Marmelade oder einen Johannisbeersträusel gegessen wie jene von Omi. Die Sträucher gibt es immer noch und letzten Sommer stand ich wieder einmal da, zusammen mit der zweijährigen Tochter meiner Cousine, bei vierzig Grad im Schatten mit roten Beeren im Mund und dem blauem Himmel über uns. Ich habe bei der Kleinen genau das gleiche Glück in ihren Augen gesehen wie bei mir damals.

Letztes Beispiel: Am Nachmittag dann kulinarischer Exkurs nach Neapel aus dem Ristorante Bibulus: Orecchiette mit Salsicca…nix Aufwendiges, aber einfach nur Göttlich. Ich habe tatsächlich schon einmal geträumt darin zu baden. Dieses Gericht beamt mich nicht nur nach Italien, sondern auch zu meinem Mann. Gutes Essen dieser Art verbindet uns sehr und spielt in unserem Leben eine große Rolle.

Heute waren wir kurz in einer Metzgerei um die Ecke und er hat sich in ein Porkchop verliebt. Und auch der Metzgermeister hat gleich glänzende Augen bekommen. Während die beiden über die Zubereitung sinnierten, hat mich das Teil an so eine Comicversion eines Fleischstücks erinnert. Ich wollte aber das männliche Glück nicht trüben, wahrscheinlich war ich einfach nur eifersüchtig, und ich freue mich schließlich auch auf das Ergebnis.

Zu trinken gabs den ganzen Tag über meine neue, eventuell hormongesteuerte, Leidenschaft: Eiswasser mit Hollunder-Minz-Sirup und einem Schuß Zitronensaft. Da ich immer das Problem hatte viel zu wenig zu trinken, aber sehr gerne an der good-old-super-sugar Limo-Dose hänge, habe ich damit einen etwas gesünderen Ausweg aus der Flüssigkeitsmisere gefunden. Der Krug steht halt rum und wird auch tatsächlich mehrmals am Tag von mir geleert. Und Minze muss im, auch total verregneten, Sommer einfach sein.

3. Einkaufen mit Nase: mein Genuss von Essen hat auch mit meinem wiedergewonnen Riecher zu tun. Ich habe letztes Jahr zum Rauchen aufgehört und letzte Woche konnte ich mit  Freude feststellen, dass ich mich inzwischen tatsächlich schnüffelnd durch die Obst-und Gemüse bewege. Das ist fast besser als das ganze Zeug auch zu essen:). Durch die Schwangerschaft ist die Nase eh empfindlicher, aber bisher habe ich fast nur die Negativseiten davon mitbekommen und meine alte Rauchernase in Mitten von Polyester-Deoabstinenzen in der Ubahn desöfteren vermisst – aber jetzt strömen auch die längst vergessenen Düfte wie nasse Erde, frische Minze, Schokolade, Salbei, Tomaten, das Wasser der Isar….etc. auf mich ein. Augen zu, stehen bleiben und einfach nur durchatmen.

4. Lese-Genuss: Dann war ich in einer meiner Lieblingsbuchläden, der  Autorenbuchhandlung (auch hier duftet es übrigens herrlich), in der Wilhelmstraße. Die Damen vom Fach sind nicht nur äußerst liebenswert, sondern auch sehr kompetent und ich fühle mich in dem Laden immer wie eine Intellektuelle in den Siebziger Jahren. Wie immer habe ich mehr gefunden und Geld ausgegeben als ich eigentlich wollte.

5. Schreib-Genuss: das Schreiben macht Spaß! Und so ohne Vorgaben…und auch das Gaga lichtet sich etwas. Wobei, ich frage mich gerade warum der Löwe eigentlich Clarence hieß…wo er doch nix gesehen hat. Eigentlich voll fies.

 

 


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