Tag der Freundschaft – just like Gomorrha

Heute ist Tag der Freundschaft und mich berührt das sehr: ich habe in letzter Zeit wieder viel über das Prinzip der Freundschaften geredet und gehört; vor allem die, ja nennen wir es so, Beziehungskisten zwischen Frauen scheinen sich manchmal so kompliziert zu entwickeln, dass schließlich keine mehr einen Überblick hat wer eigentlich warum und wie sehr grantig auf die andere ist. Das geht nicht selten einher mit Verletzungen und Grenzüberschreitungen, gerade bei jenen Punkten, die frau sich noch kurze Zeit zuvor als besonders emotional wertvoll oder sensibel anvertraut hat. Doch sind wirklich nur Frauen die „bissigen Stuten“? Ich habe mich bei den Männern in meiner Umgebung umgehört. Auch hier hat ein Satz oder eine blöde Aktion schon langjährige Freundschaften gespalten, es wurde sich eisern angeschwiegen, bisweilen ziemlich böse über den anderen gelästert. Doch ich habe den Eindruck Männer lassen sich von solchen Konflikten nicht ganz so aus der Bahn werfen wie Frauen, sie sehen schneller wieder nach vorne als bei endlosen Kaffeeproseccosessions das da-mal-Gesagte oder jenes die-hat-aber-Gelaber zu analysieren und immer wieder zu durchleuchten. Ergo Männer verzeihen, sich selbst und dem anderen, auch wesentlich schneller. Frauen handeln empathisch, sie wollen sowohl den eigenen Schmerz als auch die Motive beider Seiten verstehen – das Verzeihen ist dann noch einmal eine ganz andere Sache. Welche dieser Strategien besser ist weiß ich nicht, sie haben beide Vor- und Nachteile. Ich weiß nur, dass ich mit männlichen Freunden meist wesentlich besser streiten kann als mit Frauen. Hier gibt es, auch wenn ich mal ungerecht, doof oder einfach nur wütend bin, viel weniger Nachwehen. Umgekehrt kann ich hier auch Kritik wesentlich besser annehmen. Das möchte ich nicht als allgemein gültig hinstellen, aber laut der Erfahrungen aus meinem weiblichen Freundeskreis geht es nicht nur mir so.

Vorletztes Wochenende war bei uns zu Hause auf Grund von Regen, Regen und Regen der Samstag und Sonntag der kompletten ersten Staffel der Serie Gomorrha (2014) gewidmet. Man kann irgendwann nicht mehr aufhören zu kucken: sämtliche Beziehungen zwischen den Menschen bestehen zwar, werden jedoch von der Macht- und Geldstruktur der Mafia ad absurdum geführt. Anfängliche Sympathieträger verwandeln sich in Monster und im Prinizp hat einfach jeder Dreck am Stecken. Das eigentlich wirklich Schockierende der Serie ist dann aber, dass die dargestellten Menschen trotz ihrer Grausamkeit immer noch Menschen sind (und leider keine abgebrühten und doch irgendwie coolen Al Pacinos und De Niros.

Im Bezug auf mein Thema hat mich die Serie – natürlich überspitzt, aber sehr eindringlich – zum Nachdenken animiert. Allianzen, Freundschaften und Verbindungen ändern sich bei jedem je nach Lebensphase, Umständen und individuellen Zielen immer wieder. Und auch wenn wir uns alle „Regeln“ halten, können wir das Ende einer Beziehung doch nie absehen. In Liebesbeziehungen sind mir diese Umstände immer leichter gefallen, es war eben Schluss und, irgendwann, gehts halt einfach verdammt nochmal weiter.

Aber in Freundschaften fangen wir an den anderen zu verurteilen oder Angst zu entwickeln. Ich habe aus Freundschaften schon unglaublich viel über mich selbst gelernt, aber ich möchte z.B. nicht mehr ständig in der Vergangenheit herummelancholieren oder die (vermeintliche) Problemlöserin sein. Ich möchte auch nicht mehr so tun als ob ich perfekt wäre: wie jeder Mensch verurteile , verschweige, verrate ich oder entscheide schon mal zu meinen Gunsten.

Ich wünschte mir, Freundschaften werden endlich das gesehen was sie auch sind:  ein oftmal immens wichtiger aber manchmal auch vergänglicher Prozess für unser Leben: manche Verbindungen halten nur eine kurze Zeit, manche hundert Jahre lang. Und dies gilt es voller Freude und Neugier herauszufinden. Wenn man/frau sich einmal nichts mehr zu sagen hat, dann geht eben jede(r) ein Stück für sich allein und entdeckt vielleicht neue Menschen um sich herum. Daher, und dies nun wirklich aus vollem und vor allem leichtem Herzen, wünsche ich allen einen wundervollen Tag der Freundschaft.

 

 


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