Du kleines Blinklicht(bitch)

Im vergangenen Jahr, also 2017, habe ich oft hier gesessen und auf die blinkende „WaswillstedennschreibenLiebes?“- Linie gestarrt. Und immer wieder die Antwort in meinem Kopf: Da sind noch keine Worte. Also habe ich dem kleinen Blinklicht wieder gute Nacht gesagt und, manchmal wütend, ängstlich und schließlich immer friedvoller, gehofft, dass die Worte schon wiederkehren.

Mit meinem kleinen Sohn habe ich eine Folge des kleinen Maulwurfs angesehen; er findet einen leuchtenden Stein und versucht verzweifelt ihn als Stern am Himmel zu befestigen. Seine Freunde wollen ihm helfen, aber niemandem gelingt es. Da weint der kleine Maulwurf und es erscheint der Mond, nimmt den Stein und macht aus ihm den strahlendsten Stern am Nachthimmel.

Diese Folge hat mich sehr berührt. Nicht immer klappt alles so schnell und so viel man möchte und manchmal kommt eben unverhofft die Hilfe, die man gar nicht erwartet hätte. Der kleine Maulwurf will zu hoch hinaus, ich habe immer an den falschen Orten nach den „richtigen“ Worten gesucht. Gerade heute wurde mir bewusst, dass ich zur Zeit eigentlich jeden Tag eine wunderschöne Zeit erleben darf und wieviel Glück mir beschert wird.

Es geht eigentlich nur darum ab und zu stehen zu bleiben und auch hinzusehen, die Fragmente wahrzunehmen.

Ich mache also die Augen auf und sehe drei Rosen auf unserem Wohnzimmertisch, die mir mein Mann zum Valentinstag geschenkt hat. Ich mag den Valentinstag nicht, aber ich mag diese Ernsthaftigkeit mit der mir mein Mann jedes Jahr diese Rosen überreicht. Er würde das nie vergessen. Ich mache die Augen auf und sehe eine kleine Trittleiter, die ich heute bei Ikea gekauft habe, damit mein Sohn an den Wasserhahn des Waschbeckens herankommt. Er hat mir beim Aufbau geholfen und ist danach sicher zwanzig Minuten stolz wie Oskar diese zwei Stufen hinauf und wieder hinuntergeklettert. Und ich musste daran denken, wie ich vor einigen Jahren einmal in eben diesem Ikea stand und mich darauf freute meinem zukünftigen Kind einmal so einen Schemel zu kaufen.

Das Blinklicht ist nicht mehr mein Feind, ich bin nicht mein Feind und das Schreiben meiner Gedanken ist kein Kampf, sondern eben mit jenen bunten Fäden des Lebens verwurstelt, die wahrhaftige Texte ausmachen. Da hilft es wenig zu sagen, oh menno, ich wollte nie so rührselige Kacke über mein Kind und das Frausein und die Liebe schreiben wie tausend andere Weiber das schon auf ihren Blogs tun. Es wäre aber gerade unehrlich es nicht zu tun. Vielleicht kommen auch noch die Worte von der Zeit dazwischen, vom Schweigen und all den trüben Wolken in meinem Bauch. Aber das weiß ich noch nicht.

Das Blinklicht ist meine Freundin, mein Herz.

 


2 Gedanken zu “Du kleines Blinklicht(bitch)

  1. Hallo 😉
    Ich finde es nicht rührselig, was du schreibst, sondern ehrlich, und das gefällt mir ungemein. Ich habe immer wieder Kriegs- und Friedenszeiten mit meinem Cursor.Wichtig ist wohl sich nicht so sehr unter Druck setzen zu lassen (durch andere oder durch einen selbst).
    Liebe Grüße, Alex

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank:) Eine Art Schreib-Druck habe ich eigentlich nur am Anfang verspürt: jetzt hab ich einen Blog, da muss ich dann ja auch wissen was ich sagen und schreiben will etc.. Aber das Leben spielt halt nicht immer so wie frau es sich einplant, es ändert sich und mit den Umständen wohl nicht nur die sozialen Beziehung(en) sondern auch die zum eigenen Wortschatz. Mir ist es wichtig zu dem „Ichschreibegern“ zurückzukehren, nicht für ein wertendes Publikum, nicht für die innere Korrektorin/Lektorin, sondern tatsächlich zu den Dingen durchzudringen, die mich bewegen und mir dann auch ganz automatisch die Worte dafür schenken. Das ist momentan weniger ein Druck als vielmehr ein Neuordnen des inneren Wirrwarr.

      Gefällt 1 Person

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